17. April 2017

Jedes Jahr so schön - Schattenbeete im April

Obwohl ich es nun schon wirklich genau weiß, ist das rasche Erwachen der Vegetation in den Schattenbeeten noch immer ein Erlebnis für mich. Wo man im Februar noch hoffnungsfroh nach Austrieben bohrt und sich über jedes Schneeglöckchen freut, ist es nun so voll, dass man weder ins Beet passt noch die dringend notwendigen Schneeglöckchenvereinzelungen, die eigentlich geplant gewesen wären, durchführen kann.

Denn ab der letzten Woche im März, sobald die Lerchensporne austreiben und die Helleborus blühen, ist es voll in den Beeten - und zwar so voll, dass man wirklich keine einzige Pflanze mehr unterbringt, ohne andere entfernen zu müssen.

Schattenbeete unterm Apfelbaum

Ich versuche daher, diese Wochen im Garten zu genießen. Es gibt noch kaum etwas zu jäten, fast alle Stauden sind im Austrieb oder in voller Blüte und jeden Tag hat sich etwas Neues entwickelt, eine Staude ist aufgeblüht oder eine neue Kombination begeistert. Manchmal bleibt natürlich auch etwas weg, aber in dieser Fülle kann man einzelne Misserfolge leicht verkraften, außerdem warten meist in einigen Töpfen Neuzugänge auf gute Plätze.

Das Bild oben zeigt das Beet zu Füßen des alten Apfelbaums, das schon seit mehr als 12 Jahren besteht und einigen Pflanzen seit dem Beginn enthält. Heuer konnte ich im Februar einiges an Giersch jäten, die unsäglich robuste Hemerocallis fulva, eine ganz normale orange Taglilie, wurde schon lange vor diesem Beet an den Baum gepflanzt und ich habe sie schon wirklich oft ganz tief herausgestochen, aber sie erscheint jedes Jahr unverdrossen üppig aus ihren unterirdischen Speicherknollen. Ganz rechts hinter dem Baum sieht man mein jüngstes Schattenbeet, es besteht er seit zwei Jahren.

Cardamine heptaphylla 'Guincho Form' / Cardamine heptaphylla

Meine besonderen Lieblingspflanzen im April sind die Zahnwurze. Etliche Arten sind weltweit in Gartenkultur, aber sie sind in Topfkultur nicht ganz unproblematisch, weshalb man sie nicht sehr häufig angeboten bekommt. Wie viele langsamwachsende Schattenstauden sind sie zudem nicht gut zu präsentieren; häufig steht ein einzelner Halm mit einer paar Blüten in einem Topf und sieht mehr nach Wiesenschaumkraut - ebenfalls eine Zahnwurzart - aus, als nach einer lohnenswerten Blühpflanze.

Die beiden Pflanzen auf den Bildern sind beide Cardamine heptaphylla, die in Süd-Westeuropa heimisch sind und in Schattierungen zwischen Rosa, Weiß und während der Blüte umfärbend blühen. Es ist mein Traum, irgendwann einmal während der Blütezeit durch diese Wälder zu streifen und neue Farbvarianten zu entdecken... bis dahin kaufe ich alle verfügbaren Pflanzen auf und setze sie in meine Beete, wo sie meisten völlig unterschiedlich aussehen. Sie wachsen in meinem Boden gut und bleiben auch nach der Blüte einige Zeit sichtbar, bevor sie im Sommer dann einziehen.


Tulipa 'Jan Reus', Narcissus 'Thalia'

Gleichzeitig mit den Schattenbeeten entwickeln sich auch die sommerlichen Staudenbeete, meistens vollsonnig gelegen und mit Blütenschwerpunkt auf Frühsommer bis Herbst bepflanzt, zu einem immer attraktiveren Gartenteil. Nach Jahren des Ausprobierens habe ich nun einige Tulpen gefunden, die mit etwas Düngen jedes Jahr wiederkommen zum Großteil sogar bestocken. Die schönste davon ist 'Jan Reus', eine schlichte Triumphtulpe, die in Farbe und Wuchskraft unübertroffen ist.

Die weißen Narcissus triandrus 'Thalia' waren dafür früher viel häufiger in den Beete. Sie möchten im Gegensatz zu den Tulpen, die trockene Sommer und im Sommer völliges Austrocknen schätzen, lieber feuchte Standorte und zumindest im Frühling keine Trockenheit. Heuer haben erstmals wieder einige geblüht, wohl deshalb, weil der Frühling 2016 ziemlich nass war.


Staudenbeet mit Lilium 'Claude Shride' / Caulophyllum thalictroides / Polygonatum x hybridum 'Betberg'

In den Schattenbeeten sind viele spannende Stauden versammelt. Wenn ich die Frühlingsbeiträge der letzten Jahre so anschaue, zeige ich auch meistens die selben, vermutlich, weil ich sie besonders gerne mag. In den letzten zwei Jahren sind die Tränenden Herzen mit den schönen Laubfarben in den Fokus gerückt, ein Dauerbrenner ist auch der dunkelblättrige Salomonssiegel 'Betberg'. Der Austrieb der roten Martagon-Lilie 'Claude Shride' ist heuer auch so dick und fett, dass ich mich schon sehr auf die Blüten freue (und gewissenhaft alle Lilienhähnlich absammle, die sich ebenfalls drüber freuen).


Schattenbeet unterm Nussbaum (Südosten) / Podophyllum 'Spotty Dotty'

Unter dem Apfelbaum gibt es nun schon seit ungefähr 8 Jahren ein Staudenbeet, das gegen Westen von einer Hecke geschützt wird und nur mittags - also eher zu einer ungünstigen Zeit - mehr Sonne abbekommt. Allerdings sind einige Stauden daran gewöhnt und weil es der tiefste Punkt des Gartens ist, ist es auch tendenziell kühler dort.

Star in diesem Beet ist der Maiapfel 'Spotty Dotty', dessen lebhaft gezeichnetes und tief eingeschnittenes Laub regelmäßig für Fragen sorgt. Drumherum sorgen Frühlingsplatterbsen für Farbe, vorher haben Christrosen und eine frühblühende rosa Zahnwurz das Beet schon früh gefüllt. Ich mulche dort regelmäßig mit Lauberde und Laub, damit der Boden schon humos bleibt. Das Nusslaub entferne ich im Frühling, wenn es dick verklebt ist, häcksle es und trage es wieder auf - der Boden ist dort nie unbedeckt, weshalb er wohl noch besser Feuchtigkeit speichert.

Dicentra spectabilis 'Gold Heart'

Auf der anderen Seite des Baumes endet die Hecke und die Abendsonne trifft die Pflanzen. Dazu treibt der Nussbaum sehr spät aus, weshalb es dort noch sehr hell ist. Diese Bedingungen scheinen einigen Stauden besonders zu behagen - sie entwickeln sich dort bestens. Ein Vorteil ist sicher auch der lehmigere Boden dort, der darauf zurückzuführen ist, dass das Beet eigentlich ein kleiner Hügel aus vor einigen Jahren gekaufter Erde ist, die aus einem anderen Teil des Tals kommt und sehr viel lehmhaltiger als unsere eigene war.

Das gelblaubige Tränende Herz 'Gold Heart' entwickelt sich dort besonderes üppig (es steht erst das dritte Jahr), rundherum wachsen Elfenblumen und andere Kleinstauden. Ich mag diesen Gartenteil ganz besonders, auch wenn er schwierig zu fotogafieren ist, weil er direkt an den Grenzzaun anschließt.

Trillium erectum / Epimedium 'Buckland Spider'

Und natürlich wächst manches auch nicht so wundervoll. Trillium zum Beispiel, ich finde sie so hübsch, besonders die kleinblütigen Sorten oder die mit geflecktem Laub. Aber sooft ich sie auch pflanze, sie überleben zwar, aber legen nur ganz selten zu. Eine weiße Form von Trillium flexipes erscheint etwa seit Jahren trotz Düngergaben wahlweise ein- oder zweiblütig, was mich war irgendwie schon freut, angesichts der im Internet herumschwirrenden Bilder von dichtest mit Trillium bewachsenen nordamerikanischen Wäldern schon etwas enttäuschend ist. Dabei habe ich schon Lauberde probiert und Lehm, viel Häcksel und wenig... es ändert nur wenig daran, dass Trillium bei mir langsame, seltene und sehr zögerliche Stauden sind.

Und sogar die Elfenblumen, die ich ja sammle und verehre, sind mitnichten so unkompliziert, wie ich sie gerne hätte. Einige sind wüchsig, wie das am Bild, andere sind nach kalten Wintern seltsam niedrig und wie gestaucht (vielleicht hat es ihre stärksten Triebe erfroren?), andere kommen nicht Fleck, weitere blühen ein Jahr üppig und sind im nächsten winzigklein.

Aber genau das macht es ja auch spannend. Und sorgt für Arbeit: Einige Pflanzen sind heuer wieder umgezogen, weil sie ja vielleicht an einem anderen Standort besser wachsen könnten... oft hat es schon geklappt (und manchmal die Pflanze für immer erledigt. Auch das passiert. Schafft Platz ;-)).

Kommentare:

  1. Liebe Katrin,
    vielen Dank für den schönen und ausführlichen Beitrag, in dem ich als Schattengärtnerin sehr viele Anregungen gefunden habe. Die jährliche Überraschung, welche Pflanzen gerade aus der Erde lugen und welche übers Jahr verschollen sind, ist immer wieder faszinierend. Heuer habe ich in meinem Schattenbeet einen Kreis aus Lilien entdeckt, in deren Mitte ein unbekanntes Pflänzchen um Aufmerksamkeit buhlt. Leider keine Lilie Claude Shride, auf die ich jetzt natürlich ein Auge geworfen habe:)
    Liebe Grüße
    Dani

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  2. Toll, wie es bei Dir sogar im Schatten blüht! Im Moment machen wir wohl alle eine Pause, weil das Wetter nicht gerade toll ist und es soll ja auch noch kälter werden!
    Viele Grüße von
    Margit

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  3. Deine Schattenbeete sind wirklich ein Traum. Hoffentlich überstehen sie den kommenden Frost weitgehend unbeschadet. Mein Tränendes Herz blüht auch gerade und ist mir letztes Jahr beim Spätfrost abgefroren.

    lg kathrin

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  4. Der Lerchensporn scheint sich bei dir sehr wohl zunfühlen. Bei mir ist es im neuen Garten eher so, dass ich mir etwas mehr Feuchtigkeit für die schattigeren Bereiche wünschen würde. Denn viele der hübsch blühenden Schattenstauden wollen einen frischen Boden. Aber ich probiere es trotzdem mal mit dem Lerchensporn....vielleicht ist er ja nicht so anspruchsvoll.
    LG Sigrun

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  5. Fantastic shade planting!Adore your blog, photos, text!!!
    Hab meiner Schwester aufgetragen mir das neue Buch aus Wien mitzubringen. Hoffe dass mein Deutsch noch gut genug is nach 55 Jahren um alles lesen zu koennen!

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  6. Bonjour
    Je découvre ce jardin par l'intermédiaire du blog de brigitte !
    Félicitations il est très beau, et correspond aux jardins que j'aime.
    Je repasserai.
    Bonne journée

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  7. Danke wie immer für all diese wunderschönen Fotos!!!! Immer eine Quelle der Freude und einfach nur zum staunen :-) Dein Garten ist wunderschön!

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